Hefeteig/ Herbst/ Kuchen/ Sommer/ Zwetschgen

Backstübchens Heimatküche: [Augschburger] Zwetschgendatschi.

Die Sonne bricht an diesem Spätsommertag nur selten durch die Wolken. Und dennoch spüre ich ein wohlig-warmes Gefühl in mir, wenn ich durch die Straßen dieser wunderbaren Stadt gehe. Sechs Jahre lang habe ich in Augsburg gewohnt – Bayerns drittgrößter Stadt mit ihrer hübschen Altstadt und ihrer langen Geschichte. Augusta Vindelicorum, einst römische Provinzhauptstadt, hat mich vom ersten Moment an wie eine alte Bekannte empfangen. Ohne großes Küsschen-Küsschen und Schischi, dafür mit viel Herzlichkeit.

augsburg

Wer sich einmal mit gewöhnungsbedürftigem Dialekt und bodenständig-granteligen Bewohnern angefreundet hat, fühlt sich hier pudelwohl. Eine Stadt die – zugegeben – nicht mit rheinischer Frohnatur punktet, dafür mit viel Ehrlichkeit und Seele.

10390196_749228845099755_953210404142193220_n

Einer der schönsten und liebsten Orte in der gesamten Stadt war für den lieben Flo und mich immer der Stadtmarkt. Denn, was viele nicht wissen, ähnlich wie der Münchner Viktualienmarkt bietet der Augsburger Stadtmarkt täglich ein vielfältiges Angebot an frischen Obst- und Gemüsesorten, Fisch, Fleisch, Wein, länderspezifischen Spezialitäten und Feinkost. Das ganze Jahr über treffen sich hier die Menschen zum lockeren Plausch. Nach umfangreichem Test können wir außerdem ganz gewissenhaft sagen: das beste Sushi der Stadt gibt es auf dem Stadtmarkt. Oft fand ich hier Inspirationen für leckeres Gebäck und neue Rezepte.

zwetschgendatschi5

So oder so: Als „echter“ oder „neigschmeckter“ Augsburger kommt man um ein Gebäck jedenfalls nicht drumrum: den Zwetschgendatschi. Oder: Pflaumenkuchen, für all diejenigen, die alles oberhalb des Weißwurstäquators Heimat nennen. Weil sich die Augsburger nämlich als Wiege des Kuchens sehen, wird die Fuggerstadt scherzhaft auch gerne Datschiburg genannt.

Einmal in Datschiburg einen Zwetschgendatschi zu schlemmen, gehört quasi zur Augschburgerischen Integration – genauso wie ein Abstecher in der Fuggerei, im Goldenen Saal oder der Puppenkiste. Oder die Wörter „fei“ (bestimmt, gewiss) und „ebbes“ (etwas) in seinen Wortschatz aufzunehmen. Dabei ist nicht einmal sicher, ob die Spezialität in Augsburg erfunden wurde, denn verbreitet ist der Zwetschgenkuchen in vielen Gegenden Deutschlands. Ob man ihn lieber mit Hefe- oder Mürbteig mag, ist Geschmackssache. Erlaubt ist beides. Der Name Datschi kommt übrigens vermutlich vom Wort „detschen“ oder „datschen“, also flach drücken. Wir jedenfall verbinden mit dem Kuchen ein wohlig-warmes Heimatgefühl.

zwetschgendatschi6

Und da gerade Zwetschgenzeit ist, darf er auf der Kaffeetafel nicht fehlen – der Augschburger Zwetschgendatschi. In unserer Variante mit Hefeteig und knackigen Streuseln obendrauf.

Zwetschgendatschi

(für ein Blech)

Für den Hefeteig:
20 g Hefe
100 g Milch
400 g Mehl
100 g weiche Margarine oder Butter
80 g Zucker
2 Eier
5 g Backpulver
1 Prise Salz
etwas Butter und Mehl für das Blech etwas
Semmelbrösel und Zucker

Für den Belag:
600-700 g Zwetschgen

Für den Streuselteig:
100 g Mehl
50 g Butter
50 g Zucker

Zubereitung

  1. Für den Streuselteig Mehl, Zucker und Butter in eine Schüssel geben. Alles zu einem homogenen Teig vermischen, flach drücken, mit Frischhaltefolie
    umwickeln und in den Kühlschrank legen.
  2. Für den Datschiteig die Hefe in lauwarmer Milch auflösen. Alle weiteren Zutaten in eine Schüssel geben, die Milch mit der aufgelösten Hefe dazugießen und das Ganze zu einem mittelfesten Teig verkneten. Je nach Teigbeschaffenheit noch etwas Milch dazugeben. Für etwa eine Stunde an einem warmen, nicht zugigen Ort ruhen lassen.
  3. Teig dünn ausrollen und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen. Etwas Semmelbrösel mit Zucker mischen (Verhältnis 5:1) und darüberstreuen (bei weichen Zwetschgen gerne mehr).
  4. Die Zwetschgen waschen, entsteinen und längs auf zwei Seiten so einschneiden, dass die Viertel noch zusammenhängen. Auf den Teig dachplattenförmig, also auch versetzt, auflegen.
  5. Danach den gekühlten Streuselteig grob zerkleinern und die Streusel darüberstreuen.
  6. Den Datschi im vorgeheizten Backofen bei 195 °C Umluft etwa 45–50 Minuten auf der mittleren Schiene backen.
  7. Nach dem Ausbacken kann der Datschi mit Zimtzuckerbestreut oder mit geschlagener Sahne gegessen werden.

zwetschgendatschi7

Wir wünschen euch noch einen schönen Sonntag,
Eure Madeleine & Euer Flo.

You Might Also Like

1 Comment

  • Reply
    Kolay Yemek Tarifleri
    November 9, 2015 at 9:29 pm

    Thanks for this different and lovely recipe with plum.

  • Leave a Reply